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Zum Ende der Seite springen Interview: Winzer "Joe" beendet Auszeit vom Fußball
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Interview: Winzer "Joe" beendet Auszeit vom Fußball Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zwei Tage war Johan Micoud in seiner ehemaligen Wahlheimat in Bremen zu Gast. Auf seinem Programm: Freunde treffen, Erinnerungen auffrischen und ein langes Gespräch mit WERDER.DE und WERDER.TV. Der Double-Sieger 2004 brachte gute Laune in Übergröße mit und plauderte über Wein und Fußball-Rente. Lesen Sie hier den ersten Teil des Gesprächs.

Joe, wir wollen uns gar nicht vorstellen, dass Du nicht mehr auf dem Feld stehst. Keine genialen Steilpässe mehr spielst, dass Du wirklich aufgehört hast?

Doch, genau so ist es. Im Juni des vergangenen Jahres habe ich meine Karriere beendet. Aber es muss sich keiner Sorgen machen, ich habe die Monate danach genossen habe eine Auszeit vom Fußball genommen. Es ist eine Art neues Leben, das ich jetzt führe. Ich kann mehr bei meinen Kindern sein und weiß wann sie Schulferien haben. Außerdem kann ich endlich viel reisen und habe das in den letzten acht Monaten auch schon viel gesehen. Ich genieße die freien Momente, habe viel Zeit mit Freunden und sitze jetzt zum Beispiel hier in einer sehr netten Runde in Bremen. Es ist alles wunderbar.

Wenn mich vor einiger Zeit jemand gefragt hätte, welchen Weg Du nach Deiner Karriere einschlägst, dann wären mir spontan drei Dinge in den Kopf gekommen. Du kaufst Dir einen Weinberg, gründest ein Mode-Label oder eröffnest eine Kunstgalerie.

(lacht). Oh, du musst nicht weiterrätseln, etwas davon ist es wirklich geworden. Eine dieser drei Alternativen ist tatsächlich eingetreten. Ich besitze jetzt einen Weinberg im Pomerol und versuche dort mit Freunden einen richtig guten Wein zu vertreiben. Diese Idee habe ich mit Freunden schon lange im Kopf, jetzt hat es endlich geklappt. Im Oktober fand unsere erste Weinlese statt. Das war für mich eine neue Erfahrung. Ich habe das alles mit großem Interesse und ganz dicht dran verfolgt. Aber die anderen Möglichkeiten, die Du da genannt hast, werde ich mir merken. Das wäre auch etwas für die Zukunft.

Darf man sich den Winzer Johan Miocud mit großem Schlapphut, Gummistiefel und Gartenschere vorstellen der die Reben erntet und anschließend auf den Trauben herumstampft?

Ja, ja, so ungefähr. Wir haben zwar nur eine kleine Parzelle, aber ich bin da richtig mit dabei. Ich weiß genau, wie schnell man sich beim Reben ernten in die Finger schneiden kann. Da muss man wirklich aufpassen. Ich war beim ganzen Herstellungsprozess bis zum Einfüllen in die Barrique-Fässer dabei. Natürlich auch bei unserer ersten Weinprobe vor ein paar Wochen. Da waren wir angenehm überrascht. Da steckte jede Menge Qualität drin.

Oh, dann dürfen wir bald etwas über Frankreichs neuen Export-Schlager etwas lesen, den Spitzenwein "Le Micoud Rouge"!

Nein, der Wein wird "Chateau La Connivence" heißen. Das ist eine Wortschöpfung, die ausdrücken soll, dass an diesem Wein vier Freunde mitgewirkt haben, die sich auch privat sehr gut verstehen, die füreinander da sind. Das Wort soll aussagen, dass alle vier Freunde auf der gleichen Stufe stehen, das steckt ja in diesem Wort drin. Die Bezeichnung des Weines hat viel mit ernst gemeinter Freundschaft zu tun.

Hat denn einer von Deinen Freunden Ahnung vom Weinbau oder sind es alles leidenschaftliche Hobby-Winzer wie Du? Muss man sich Sorgen um die Verbraucher machen?

(lacht) Keine Angst, das hat alles Hand und Fuß. Einer von uns ist mit Weinbau groß geworden. Er stammt aus einer Familie, die auf eine Jahrhunderte alte Weinbau-Tradition zurückblicken kann. Von ihm können wir alle sehr viel lernen.

Wohnst du direkt am Weinberg, in so einem romantisch alten Steinhaus, wie in den Kinofilmen, die man sofort vor Augen hat.

Nein, die Parzelle ist sicher kleiner als Du es Dir vorstellst, da gibt es kein Haus. Alles ist noch am Anfang. Wir wollen es langsam weiterentwickeln. Aber es ist auch nicht so leicht. Das Weinbaugebiet Pomerol ist eigentlich fertig erschlossen, da gibt es keine neuen Flächen, die man einfach mal bebauen kann. Alles wird vererbt. Als es jetzt zu einer Situation kam, in der wir durch einen Todesfall eine Parzelle bekommen konnten, haben wir sofort zugegriffen. Das ganze liegt so 50 Kilometer von Bordeaux entfernt. Die Stadt Libourne liegt in der Nähe. Saint-Émilion ist auch in der Gegend. Werders Physiotherapeut Holger Berger müsste bestens Bescheid wissen, soweit ich mich erinnern kann, kennt er jedes Rotwein-Anbaugebiet weltweit.

War der Prozess vom Fußball-Profi zum Familienvater, Touristen und Winzer schwierig oder kam plötzlich der Tag an dem Du aufgewacht bist und wusstest, ich höre auf?

Das ist eine sehr persönliche Entscheidung, für die Du Dir Zeit lassen musst. Du musst Dir zentrale Fragen stellen: Wie geht es weiter? Bin ich noch in der Situation, diese ganzen Anstrengungen unternehmen zu können? Kann ich mich weiter für den Fußball aufopfern? So ging es auch mir. Man fragt sich auch: Wie lange mache ich noch weiter? Möchte ich überhaupt weitermachen?

Und wie fielen die Antworten darauf aus?

Für mich war nach meinem Wechsel von Werder nach Bordeaux klar, dass ich dort spielen will und mich danach in dieser Region mit meiner Familie niederlasse werde. Und so ist es gekommen. Es war in meinem Fall auch so, dass der Verein nicht unbedingt gewillt war, mit mir zu verlängern. Aber ich bin mir auch gar nicht sicher, ob ich nicht von mir aus aufgehört hätte, wenn ich ein Angebot bekommen hätte. Der Zeitpunkt hat einfach gepasst. Ich habe einfach gemerkt, dass ich diese ganze Aufopferung, diese ganze Anstrengung nicht mehr stemmen konnte. Wenn man selber merkt, dass man nicht mehr diese Leistungsfähigkeit hat wie vorher, dann geht auch der Spaß an der Sache verloren. Und dann muss man einfach einen Schlussstrich ziehen.

Dein ehemaliger Teamkollege, Werders Mannschaftskapitän Frank Baumann überlegt auch, ob er aufhören soll. Kannst Du ihm zur Fußballer-Rente raten? Ist bei Dir ein Job auf dem Weinberg frei. Er ist ja in den fränkischen Weinbaugebieten groß geworden.

Raten kann man nichts. Das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Frank ist wahrscheinlich in der Situation, die ich beschrieben habe. Er muss für sich beantworten, ob er weiter tagtäglich dabei sein möchte. Wenn er diese Frage bejaht, dann bin ich überzeugt, dass Werder mit ihm weiter macht, weil Werder immer noch von ihm profitieren kann. Er kann dem Verein nocheiniges mit auf den Weg gehen. Mit seiner Spielintelligenz kann er den jungen Spielern noch einiges beibringen. Aber wenn er seine Karriere beenden sollte und noch keine weitergehenden Pläne hat, dann kann er gern im September kommen und die Weinlese vornehmen. Wir können noch Praktikanten gebrauchen. (lacht).

Die Stelle könntest Du auch Valerien Ismael anbieten, er musste ja leider verletzungsbedingt aufhören. Hast Du noch Kontakt zu ihm?

Ich hatte zuletzt seine Nummer nicht, aber ich werde sie mir hier in Bremen wieder besorgen. Ich muss ihn unbedingt mal wieder sprechen. Ich habe von seiner Verletzung gehört, ich glaube er studiert jetzt etwas Wirtschaftliches.

Vale wird sich voraussichtlich in Deutschland niederlassen. Das wäre doch für Dich mit Deinen französischen Genen und deinem Lebensgefühl undenkbar, oder? Immerhin hast du sogar in deinen Bremer Zeiten deine Espresso-Maschine mit ins Trainingslager in die Türkei genommen.

(lacht) Ach ja, diese Geschichte! Es war ja nicht nur die Espresso-Maschine, wir hatten dort auch den Parmesan-Käse und Oliven-Öl und auch sonst alles, was man unbedingt brauchte, dabei. Aber zur Frage: Bei Vale ist es sicher etwas anderes, weil seine Frau aus Deutschland stammt. Und wie es oft so ist, hat da bestimmt die Frau entschieden und der Mann ist gefolgt. Im Ernst: Die Beziehung zu einer deutschen Frau hilft ihm natürlich dabei, sich hier niederzulassen. Deutschland wäre für mich kein Thema, weil ich die ganze Familie in Südfrankreich habe. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich immer wieder gerne herkomme.

Ist diese Phase ohne Fußball jetzt für Dich nur eine Auszeit oder ein kompletter Schlussstrich? Kehrst du wieder zurück als Funktionär, Trainer oder vielleicht Schiedsrichter?

Es war eine Pause, ich brauchte diese fünf, sechs Monate einfach nur Abschalten, etwas völlig anderes machen. Das hat mir richtig gut getan. Jetzt bin ich aber wieder munter dabei, schaue mir wieder Spiele an. Ich verfolge Girondins Bordeaux ganz intensiv, sehe auch ein paar andere Spiele. Es macht mir wieder Spaß, mich damit zu beschäftigen. Die Perspektive, die ich für mich sehe, ist es, als Spielervermittler tätig zu werden. Ich weiß, dass es eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird, bis man da Fuß gefasst hat, aber ich habe einfach diese Lust mein Fußballwissen an junge Spieler weiterzugeben. Ich möchte Hilfestellung leisten bei dem einen oder anderen Transfer und das alles auf der Basis einer seriösen Gesellschaft, die ich aufbauen werde.

Das Interview führte Michael Rudolph

Teil 2 des großen Micoud-Interviews wird am Freitag veröffentlicht


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26.03.2009 10:34 Johannes80 ist offline E-Mail an Johannes80 senden Beiträge von Johannes80 suchen Nehmen Sie Johannes80 in Ihre Freundesliste auf Fügen Sie Johannes80 in Ihre Kontaktliste ein MSN Passport-Profil von Johannes80 anzeigen
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Themenstarter Thema begonnen von Johannes80
Micoud: "Ich konnte mich in Ailton hineinversetzen" Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zwei Tage war Johan Micoud in seiner ehemaligen Wahlheimat in Bremen zu Gast. Auf seinem Programm: Freunde treffen, Erinnerungen auffrischen und ein langes Gespräch mit WERDER.DE und WERDER.TV. Der Double-Sieger 2004 brachte gute Laune in Übergröße mit und plauderte über Wein und Fußball-Rente. Lesen Sie hier den zweiten Teil des Gesprächs.

Joe, Du hast Dich bei Bordeaux niedergelassen, kommst aber eigentlich auch Cannes? Wo fühlst Du Dich heimischer?

Ich fühle mich an beiden Orten sehr wohl. In Cannes bin ich ja geboren, habe dort noch Familie. Andererseits bin ich jetzt schon auch in der Gegend von Bordeaux verwurzelt. Die Kinder haben hier ihren Freundeskreis, bei meinen Töchtern sind ja jetzt auch die ersten Freunde mit im Spiel, insofern werden wir in Bordeaux bleiben.

Bist du ein strenger Vater, wenn die Töchter mit Freunden nach Hause kommen?

Das weiß ich noch nicht. Meine Töchter dementieren immer, dass es da jemanden gibt. Aber wer weiß. Ich bin sicher, dass es jetzt anfängt bei Mädchen in ihrem Alter.

Du hast mit Deiner Familie immerhin drei Jahre in Bremen gelebt, verbindest du mit Norddeutschland so etwas mit Heimatgefühle?

Das wäre das falsche Wort, aber ich habe schon mich schon sehr gefreut als Klaus Allofs anrief und mich wieder hierher eingeladen hat. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Es ist eine Ehre, wieder hier sein zu dürfen. Ich kann hier alte Freunde wiedertreffen, die ich jetzt seit immerhin zweieinhalb Jahren nicht mehr gesehen hatte. Es ist toll wieder hier zu sein. Das Stadion zu sehen, die Stadt. Der Aufenthalt ist mit sehr vielen Emotionen verbunden. Das sind schöne, bedeutende Momente für mich, über die ich mich sehr freue.

Gibt es Plätze, die Du auf jeden Fall aufsuchst, um Erinnerungen aufzufrischen?

Ich gehe schon an einige Orte, die ich früher regelmäßig besucht habe. Ich hatte heute Morgen schon einen Kaffee in der Innenstadt, wo ich ihn auch früher oft getrunken habe. Ich war schon in meinem bevorzugten Pasta-Restaurant im Bella Vista jenseits der Weser, wo die Pasta immer perfekt waren und ich musste feststellen, dass sich daran nichts geändert hat. Ich habe mich schon früher immer gut mit dem Besitzer verstanden. Und der Besuch des Stadions ist natürlich ein Höhepunkt. Leider Gottes, dauert die ganze Reise nach Bremen nur zwei Tage.

Und welche Personen hattest du auf deiner Besucher-Liste für die beiden Tage? Du wohnst wie die Mannschaft im Parkhotel. Da sind die Wege doch kurz.

Ja, ich habe schon Holger Berger getroffen und Florian Lauerer aus der medizinischen Abteilung. Den einen oder anderen Spieler konnte ich auch sprechen. Mit Klaus Allofs war ich am Nachmittag vor dem Spiel verabredet. An diesen Begegnungen liegt mir sehr viel. Auch wenn ich mit den wenigsten telefonisch Kontakt halte, hat mir doch die Zeit damals sehr viel bedeutet und ich bin glücklich hier einiges wieder aufleben zu lassen.

In einem Interview mit Valerien Ismael im vergangenen Sommer hat dein Landsmann ein tolles Bild von der Meistermannschaft 2004 gezeichnet. Er beschrieb den unglaublichen Zusammenhalt, die Typen, die so gut zusammengepasst haben. War da sehr viel Verklärung durch Nostalgie dabei oder hast du in dieser Zeit ähnlich empfunden?

Für mich war das ganz anders. Das war die schrecklichste Zeit meiner Karriere (lacht schon wieder) …Nein, diese Eindrücke kann ich nur bestätigen. Ich möchte auch herausheben, dass die menschliche Seite dieses Teams einfach toll war. Wie die Spieler sich untereinander verstanden haben, aber auch das Verhältnis zur Vereinsführung und zu den Trainern, da hat alles gepasst. Auch mit den Fans war das ein Riesenerlebnis. Der Zusammenhalt war enorm. Diese Saison ist fest verankert. Das war das perfekte Jahr.

Gibt es jetzt nach fünf Jahren eine Art inoffizielles "Klassentreffen"?

Nein, aber es wäre doch eine gute Idee nach zehn Jahren alle einzuladen, die ganze Werder-Familie, die diesen Erfolg damals erreicht hat, um sich noch mal zu sehen und vielleicht sogar noch mal auf den Platz zu gehen, um zu spielen.

Momentan spielt nur noch Frank Baumann aus der Double-Mannschaft . Bist du schockiert, dass die Fluktuation so groß ist und keiner mehr das ist?

Nein überhaupt nicht, wir waren eben alte Säcke und es war nichts anderes zu erwarten, als dass man uns schnell austauscht (lacht herzhaft) …

Aber im Ernst, muss man heute mit dieser Schnelllebigkeit als Profi und als Fan leben?

Das ist das Gesetz des Fußballs. Dagegen kann man sich nicht wehren. Es ist schwer über so einen langen Zeitraum einen Kader fast komplett zusammenzuhalten. Das kommt selten bis gar nicht vor. Ausnahmen bilden da vielleicht die Klubs mit den ganz großen Budgets. Manchester United kann sich das in gewissem Maße leisten. Aber auch solche Klubs kann man sich anschauen und mit der Besetzung von vor fünf Jahren vergleichen, dann wird man riesige Unterschiede feststellen. Deswegen muss man jüngeren Spielern auch immer wieder nahe legen, dass sie erfolgreiche Momente auch genießen müssen, weil sie nicht so häufig vorkommen und weil nie sicher ist, wie lang eine Mannschaft in so einer Besetzung zusammenbleibt.

Werder hat jetzt fünf Mal in Folge die Champions League gespielt, zuletzt nicht mehr das Achtelfinale erreicht. Bei den Fans wird kontrovers diskutiert, ob Werder mit dieser Erfahrung und diesem Erfolg im Rücken, nun den nächsten Schritt machen müsste und hin und wieder mal in die weiteren K.O.-Runden der Königsklasse vorstoßen muss oder ob die Grün-Weißen mit dem Ziel zu den besten 16 Teams in Europa zu gehören eine natürlich Grenze erreicht haben, die sie nur naturgemäß mit ihren Voraussetzungen nur selten überschreiten können?

In meinen Augen ist klar, dass es nur einigen wenigen Mannschaft vorbehalten bleiben wird auf einem ganz bestimmten Level in der Champions League zu spielen. Es gibt einfach diese Teams, die immer wieder im Viertelfinale stehen, regelmäßig das Halbfinale erreichen. Das ist einfach eine Frage des Budgets. Je größer das ist, desto größere Möglichkeiten hast du, die besten Spieler der Welt zu verpflichten, desto konstanter kannst du auch in der Champions League weit kommen. Man muss nur jetzt das Viertelfinale anschauen, eigentlich sind da keine Überraschungsteams mehr dabei.

Mit Dir hat Werder zweimal das Achtelfinale erreicht, einmal habt ihr ganz knapp das Viertelfinale verpasst. Steckt das noch im Kopf?

Klar, wir hatten damals gegen Turin das Viertelfinale fast in der Tasche. Damals hätten wir fast die Chance bekommen uns mit den allerbesten Teams Europas zu messen. Die Unterschiede zwischen diesen Teams und dem Rest sind schon enorm und ich habe auch den Eindruck, dass sie nicht geringer, sondern eher größer werden. Finanzielle und sportliche Möglichkeiten sind einfach zu stark verbunden. Ob Werder in diesem Sinne ein Grenze erreicht hat, weiß ich nicht. Ich denke schon, dass man noch etwas näher heranrücken kann. Überraschungen sind immer mal wieder möglich. Werder darf dieses Ziel haben, hin und wieder mal dieses Überraschungsteam zu sein, aber ab dem Viertelfinale in der Champions League wird es einfach richtig, richtig schwer. Das ist keine Frage.

Im Meisterjahr hast du mit Ailton ein Traumpaar auf dem Feld abgegeben. Ohne Dich ging es mit Ailton sportlich bergab. Hast Du seine Karriere danach weiter verfolgt?

Na diese Sichtweise ist mir ein bisschen zu einfach. Im Meisterjahr gab es nicht nur Micoud und Ailton. Wir hatten eine erfolgreiche Zeit, aber da waren auch noch andere, die ihren Anteil daran hatten. Ohne einen Ivan Klasnic oder die anderen hätten wir die Meisterschaft auch nicht geholt. Zu Ailton muss man sagen, dass er danach nie wieder in so einer offensiven Mannschaft gespielt hat. Schalke war damals deutlich defensiver eingestellt als Werder und auf das spielerische Element wurde nirgendwo in der Bundesliga soviel Wert gelegt wie in Bremen. Dort konnte er nicht zur Entfaltung kommen. Das hat mich damals schon traurig gestimmt für ihn. Auch weil es in den nächsten Vereinen so weiterging. Später konnte ich mich da sehr gut in ihn hineinversetzen.

Wieso das?

Mein erstes Jahr in Bordeaux war auch alles andere als leicht für mich. Das Spiel der Girondins war überhaupt nicht zu vergleichen mit dem Werder-Stil. Das war weit weg von Werders Offensivausrichtung, da wurde vor allem verteidigt und ich musste mich sehr umorientieren. Da ist es mir wahrscheinlich ähnlich ergangen wie Ailton auf Schalke. Aber die Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit auf dem Platz kann uns keiner nehmen. Wir hatten diese große Zeit und auch für ihn würde es mich freuen, wenn wir uns aus Anlass eines Jubiläums dieses Double-Jahrs mal wiedersehen könnte. Sollte er das hier lesen oder bei WERDER.TV sehen, dann grüße ich ihn an dieser Stelle.

Du hast erzählt, dass Du später als Spielervermittler arbeiten willst, hattest Du schon Deine Hände im Spiel, als Ivan Klasnic nach Frankreich wechselte?

Wir haben nur ein paar Mal telefoniert. Er hat mich angerufen, um sich ein bisschen über den FC Nantes und die "Lique 1" schlau zu machen. Ich habe ihm ein paar Informationen gegeben. Anfangs tat er mir ein bisschen Leid, weil es gar nicht so lief, wie er sich das vorgestellt hatte, aber in letzter Zeit ist er wieder besser in Schuss und es sieht wieder ganz gut für ihn aus.

Und was sagen Deine künftigen Berater-Augen zu Diego. Hast Du ihn, der Deinen Platz im Mittelfeld eingenommen hat, in den letzten Jahren verfolgt?

Ja, ich kann mich an diese Nachfolger-Debatte erinnern. Er war so jung und es wurden riesige Erwartungen an ihn gestellt und man muss sagen, dass er sie erfüllt hat. Ich freue mich für Diego, dass er sich hier so gut eingefunden hat, dass alles so geklappt hat. Ich weiß noch als er kam, fragte mich ein Journalist, wie es mit Werder weitergehen solle, wenn ich gehe und dieser junge Spieler kommt. Aber damals kannte ich ihn schon aus seiner Zeit bei Porto und habe viel von ihm gehalten. Ich habe damals gesagt, dass er Werder weiterbringen kann, wenn man ihm die Zeit dafür gibt. Ich freue mich, dass es so eingetreten ist. Er ist ein Ausnahme-Profi. Die Bundesliga kann froh sein. Solche Spieler braucht sie, um die Zuschauer ins Stadion zu locken.

Das Interview führte Michael Rudolph


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